Online-Petition gegen Internetsperren ein Erfolg?

8. Mai 2009

Bisher haben über 52.000 Menschen die Online-Petition gegen Internetsperren unterzeichnet, melden Golem und heise. Nun wird sich der Petitionsausschuss des Bundestag damit befassen müssen. Dort werden, so befürchte ich, nur alte Positionen ausgetauscht, aber an der Sache wird sich nichts ändern.

Weiterhin hoffen die Initiatoren, diese Masse auch auf die Straße bewegen zu können. Das aber bezweifle ich stark. In Deutschland würde tausende auf die Straßen gehen wenn

  • der Benzinpreis stark ansteigt (hatten wir schon)
  • Fußball nur noch auf Premiere läuft (kommt bald)
  • Arbeitslosigkeit droht (läuft auch dauernd)

Aber Internetsperren? Aus meinem Bekanntenkreis habe ich schon die Erfahrung gesammelt, dass das Thema vielen sonst wo vorbeigeht. Es ist auch so schön unterschwellig und erinnert mich an den Aktionismus während und nach dem deutschen Herbst und nach den Terroranschlägen von 2001 in den USA. Populistische Themen dienen als Deckmantel für die Demontage des Rechts auf Meinungsfreiheit und der Freiheit der Presse.

Wo das hinführt?


Leyen = Laien?

26. April 2009

Frau von der Leyen hat hier ein Interview gegeben in dem sie uns erklärt, dass man sehr versiert sein muss um die DNS-Sperre zu umgehen und nennt es „etwas Technisches“. Naiv? Sicher! Ist die Frau versiert, was das Thema betrifft, das sie uns seit Wochen versucht zu erklären? Sicher nicht. Sie ist Laie und versucht Symptome der Kinderpornografie mit ebenso laienhaft verpacktem Zensurgebaren den restlichen Laien der Republik zu verkaufen.

Sie rechnet dann vor, dass 80% der Nutzer die DNS Sperre nicht umgehen könnten, die restlichen 20% aber „die sind zum Teil schwer Pädokriminelle“. Ich hab mir natürlich gleich um mich, einige Familienangehörige und Bekannte Sorgen gemacht. Schließlich gehört man zu den 20% Internetnutzern, die potentiell pädokriminell sind.

Den „Massenmarkt“ und das „Massengeschäft“ lässt sich so sperren meint Frau von der Laien, ‚tschuldigung Leyen. Warum sie sich nicht mit aller Kraft dafür einsetzt, dass die inzwischen bekannten Seiten mit kinderpornografischem Inhalt auf Servern mit Standorten innerhalb Deutschlands und der EU, wird sie leider nicht gefragt.

Die Antwort darauf wäre wohl fadenscheinig, lächerlich und traurig zugleich.


2011 – Surfen war früher, Diving ist angesagt!

24. April 2009

Der eine oder andere kann sich noch entsinnen. Deutschland im Sog der Weltwirtschaftskrise, Dieter Bohlen erlag während DSDS einem Herzanfall, Microsofts Umsatz schrumpfte erstmals, Wolfsburg wurde Deutscher Fußballmeister und die Deutschen surften noch durch das Internet. Das war 2009.

Heute wird aber „gedivet“. Man Spricht das lässig „gedaift“ und meint damit so etwas wie abgetaucht, sich unterhalb des Wassers bewegen. Die ersten Internetsperren gegen Kinderpornografie sorgten dafür, dass eine technologisch führende Zensur-Infrastruktur mit Steuermitteln entwickelt wurde, die weitaus besser und schneller funktionierte als das ein paar Jahre zuvor entwickelte Maut-System. Zwar wurden dadurch nachweislich nicht weniger Kinder Opfer von Kinderpornografie, doch viele Kinder und Erwachsene wurden Opfer der Zensur.

Die ersten Opfer waren wohl diese Menschen, die einfach mal sehen wollten, was auf den „Schwarzen Listen“ sich verbirgt. So ist das eben, wenn man etwas verbietet. Die Listen kursierten in Tauschbörsen und wurden von Piratenseiten außerhalb Deutschlands schnell und weit verbreitet. Das Leck im BKA wurde niemals gefunden. Beharrlich hält sich der Verdacht, dass die Listen absichtlich veröffentlicht wurden um die Schlagkräftigkeit unter Beweis zustellen. Durch Neugier oder die Neigung zur Rebellion getrieben wurden ein paar der Seiten angesurft, die auf diesen Listen zu finden waren, das „Stopp“ wurde geflissentlich beiseite geklickt und dann wurde gestaunt, sich geekelt und was wohl sonst noch in den Menschen vor sich ging.

Gleichzeitig liefen schon die Auswertungen im BKA von wessen Anschluss dort auf die verbotenen Seiten zugegriffen wurde. Bis zum Ende des Jahres 2009 kam es zu mehreren tausenden Anzeigen und Festnahmen. In vielen Unternehmen wurden PCs und sogar Server beschlagnahmt, weil die Mitarbeiter in der Mittagspause mal sehen wollten, was neu zu den verbotenenen Seiten dazu gekommen war.  Dadurch verschlimmerte sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland dramatisch und man sah sich gezwungen die Infrastruktur an China zu lizensieren, welches ein natürliches Interesse daran hatten.

Die negative Berichterstattung in der Presse zu den Vorgängen um die Internetsperren und den von Frau von der Leyen eingerichteten Denunziationsseite http://www.DE-NUNZ-IA.de konnte zwar nicht eingeschränkt werden, doch wurden Anfang 2010 die großen Online-Tageszeitungen auf die Liste der BKA gesetzt und der Zugriff darauf auch erst einmal mit einer Androhung von Schutzhaft versehen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte die Bundesregierung zwar noch immer nicht nachweisen um wie viele Fälle Kinderpornografie zurückgegangen war, doch wurde inzwischen mit der Lizenzierung der Zensur-Technologie für Staaten wie Russland, Frankreich, Iran, Afghanistan, Schottland und Melmac sehr viel Geld verdient. Die Zeitungen machten dicht und die Reporter flohen zum Großteil nach Panama, da dort die Pressefreiheit in hohem Maße geachtet wird. Bis März 2011 stieg der Bevölkerungsanteil der Journalisten auf irrsinnige 65% an.

Die Menschen, die weiterhin ohne Einschränkungen sich Informationen im Internet beschaffen wollten nutzten verstärkt ein neu entwickeltes Netz aus Proxy-Servern, die wie in Peer-Netzen organisiert waren. Firefox und Opera wurde noch 2009 so gepatcht, dass standardmäßig diese Option aktiviert war um die Nutzer zu schützen. Das „diving“ war geboren, das „surfen“ zu gefährlich. Microsoft weigerte sich beharrlich noch bis Ende 2010 ein entsprechendes Angebot anzubieten, musste dann aber ein solches doch nachliefern nachdem der Marktanteil des Internet Explorers auf unter 10% gefallen war. Experten streiten noch immer darüber, ob der Marktanteil durch einen Wechsel der Nutzer zu einem anderen Browser geschrumpft war, oder ob die Nutzer einfach keine Möglichkeit mehr hatten, da sie ab 2010 auch mit jahrelangem Internetverbot belegt worden waren, sollten sie eine solche „Schwarze Seite“ aufgerufen haben.

Auch ich schreibe hier von der Mitte Amerikas auf meinem Eeeeee 2046 und hoffe irgendwann wieder in meine alte Heimat, das freie Deutschland, zurückkehren zu können.


Großartiges Patent Wortzensor!

21. Oktober 2008

Einem Bericht auf Golem zufolge hat Microsoft nun ein Patent auf einen Wortzensor erhalten. Sicher jedem von uns bekannt, wenn die Amis mal wieder das F-Wort nutzen und die braven Fernsehzensoren dann einen freundlichen Piepton darüberlegen müssen oder wollen.

Zensur ist ja, wie wir alle wissen, sehr wichtig, da nur der Gesetzgeber weiß, was ich lesen sehen und hören darf. Komischerweise ist das von Staat zu Staat unterschiedlich, aber jeder Staat den ich kenne macht sowas. Auch der, in dem ich wohne.

In dem Artikel wir erwähnt, dass diese Wortzensurmaschine (danke, Orwell!) auch dazu genutzt werden kann Voice-Chats sauber zu halten. Ist das nicht toll? Was unterscheidet denn, grob technisch gesehen, Voice-Chats von VoIP Gesprächen, also Telefonaten? Kann ein Staat dann nicht die Carrier zwingen solche Teile einzubauen und Worte und Laute zu filtern die mir als Staat nicht gefallen? Großartige Erfindung! Welch Fortschritt! Sofort fallen mir die Namen einiger Staaten ein, welche gerne Zensieren und sicher Interesse an solch ein Technik haben.

In diesen Absatz sollte ich eigentlich noch etwas ironisch-sarkastisch-witziges von mir geben, aber da mir gerade der Hals schwillt, lass ich Nina ran. Gott sei Dank ohne Piep!