Warnung vor Ladendiebstahl, Raubkopieren, Schwarzsehen und Spritdiebstahl

4. August 2009

Stell dir mal vor du fährst an die Tanke hälst links von der Zapfsäule an, drehst den Schlüssel um und willst aussteigen. Da siehst du diese oberarm/unterarm-tätowierte zwei Zentner/1,90 Maschine neben deiner Autotüre stehen. Sie grinst dich von oben mit ungepflegten Zähnen an und du bist einfach nur froh, dass dich deine Seitenscheibe vor dem Mundgeruch bewahrt.

„Volltanken?“, brüllt es herein.
„Klar. Volltanken. Bitte.“, antwortest du weniger flüssig als sonst.
„Wenn du nicht bezahlst, dann…“. Er bringt den Satz nicht zu Ende.

Stattdessen geht der Typ einen Schritt zurück und wenige Zentimeter vor deinem Auto kommen fingerdicke spitze Metallbolzen aus dem Boden geschossen.

„Natürlich zahl ich! Was soll das?“, fragst du mutig mit Zittern in der Stimme.

Statt einer Antwort schwingt er sich nach rechts, reißt den Schlauch aus der Säule, öffnet den Tankdeckel und lässt den Zapfhahn tief eindringen. Du hörst den Sprit gurgeln.

Als du rechts aus dem Auto siehst, kannst du seinen Kollegen sehen, der gerade einen Benzindieb schreiend und um Gnade flehend aus dem Auto zerrt. Gebannt starrst du auf den hellen Turnschuh, den die Frau verloren hat, als der Typ sie an den Haaren weggezerrt hat.

„Fertig! Zahlen! Los!“

Die Aufforderung ist unmissverständlich. Du fummelst an deinem Handy rum, bestätigst den Betrag von 187,00 € und bist froh, als die Bahn frei ist und du endlich weiter fahren kannst.

Alles nur wegen der elenden Spritdiebe, denkst du.


Warum ich Repositories so liebe! – oder – Ich bin kein Missionar!

8. Mai 2009

Ein Freund kam gestern zum beichten zu mir. Kein außerehelicher Sex, kein Diebstahl und auch kein Mord war es, der ihn zu mir trieb. Dummheit war es.

Er erklärte mir, dass er OpenOffice für seine Tochter installieren wollte und so hat es im Internet gesucht. Für die Linux-Nutzer unter den Lesern muss ich anmerken, dass solches Vorgehen unter Windows-Nutzern so üblich ist. Man sucht im Internet nach Programmen, lädt die dann herunter und installiert diese danach. Nun kam der gute Mann auf eine Seite die auch OpenOffice zum Download anbietet. Er freute sich, klickte auf den Link zum download und wurde zur Angabe seiner Kontaktdaten inklusive Adresse aufgefordert. Ich wiederhole das nochmal: er wurde zur Angabe seiner Kontaktdaten inklusive Adresse aufgefordert. Da beging er die Dummheit und tat, was man von ihm verlangte. Dafür durfte er dann auch OpenOffice herunterladen.

Nach ein paar Tagen erhielt er dann Post mit einer Rechnung über 96€. Ich meine es war für das Bereitstellen der Daten oder so etwas ähnliches. Wahnsinn! Ein erwachsener, gebildeter Mensch fällt im 21. Jahrhundert auf so etwas rein. Wie kann man nur?! Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch seine. Deswegen kam er zum Beichten. Aber erst, nachdem er dann Mahnungen und Drohungen von deren Rechtsanwalt bekommen hat. So dreist die Abzocker sind, so einfältig und naiv die Opfer. Leider dauert es immer recht lange, bis solche Verbrecher gestoppt werden.

„Wo bekommst du denn dein OpenOffice her?“ fragte er mich. „Ich installier es aus einem Softwarekatalog. Da mach ich einen Haken dran und klick auf ‚Installieren‘.“ Er lächelte, wie Leute eben lächeln wenn Sie nur Bahnhof verstehen und ich erklärte ihm, dass ich Linux nutze und dort Software in sowas wie Katalogen, die man neudeutsch Repositories nennt, angeboten wird die von einem Team gepflegt werden. Er lächelte weiter und ich wechselte das Thema. Ich bin einfach kein Missionar.


Alter Ego

6. Juli 2008

Ich sitze mit Tanja beim Frühstück im Ratscafe. Angenehm, dass hier nicht mehr geraucht wird, denke ich. Tanja ist zum vierten oder fünften mal am Buffet. Der Kaffee schmeckt so schön bitter wie er schwarz ist. Das Gemurmel um mich herum weckt in mir schon wieder die Lust auf das Bett. Ihr Bett. Mein Bett? Im Hintergrund höre ich „Everywhere“ von Pink Martini und das wohlige Gefühl kehrt zurück wie es ist sich in Tanjas Körper zu vergraben. Welches Bett?

„Ich konnte keinen Müsli-Riegel mehr für dich auftreiben.“ Sie zieht ihren Stuhl scharrend über den Boden an den Tisch als sie sich setzt. „Kein Problem!“ erwidere ich und schenke ihr ein Lächeln. Hatte ich sie darum gebeten, frage ich mich? Ich beiße in mein Brötchen während ich weiter überlege. Hatte ich was von einem Müsli-Riegel gesagt?

Die Reste vom Brötchen spüle ich mit Kaffee runter. „Was machst du heute noch?“, frage ich weil mein Bauch für mein Bett entschieden hat. Sie schaut mir erstarrt in die Augen.

„Glaubst du denn eigentlich, dass du kommen und gehen kannst wann du willst?“

Diesen Punkt zu diskutieren und es einzugestehen traue ich mich, um ehrlich zu sein, in der aktuellen Situation nicht. Ich bin müde, sie aggressiv und wir beide schon seit fast 36 Stunden zusammen.

„Ich muss noch schreiben, Tanja.“, versuche ich mit mit sanfter Stimme. Sie greift zu ihrer Tasse, aus der Starre gelöst. „Ich vergaß“, flüstert sie fast, während sie ihren Blick auf das Brötchen richtet, das sie gerade mit Marmelade bestreicht. „Tut mir leid“, fügt sie hinzu. Gerne würde ich zu ihr herüber greifen und ihre Hand festhalten, doch sie hat ihre Hände beschäftigt. Also lächle ich sie an und küsse sie mit einem Zwinkern durch die Luft.

„Wie hälst du es nur so lange mit mir aus?“, lacht sie nun laut während sie ihr Brötchen zum Mund führt. Bevor sie noch den ersten Bissen macht antworte ich: „Ich glaube es liegt am Sex und deinem Geld. Aber ich kann mich auch irren.“

Lachend lässt sie das Brötchen fallen. Sie nimmt mich einfach nicht ernst.