2011 – Surfen war früher, Diving ist angesagt!

Der eine oder andere kann sich noch entsinnen. Deutschland im Sog der Weltwirtschaftskrise, Dieter Bohlen erlag während DSDS einem Herzanfall, Microsofts Umsatz schrumpfte erstmals, Wolfsburg wurde Deutscher Fußballmeister und die Deutschen surften noch durch das Internet. Das war 2009.

Heute wird aber „gedivet“. Man Spricht das lässig „gedaift“ und meint damit so etwas wie abgetaucht, sich unterhalb des Wassers bewegen. Die ersten Internetsperren gegen Kinderpornografie sorgten dafür, dass eine technologisch führende Zensur-Infrastruktur mit Steuermitteln entwickelt wurde, die weitaus besser und schneller funktionierte als das ein paar Jahre zuvor entwickelte Maut-System. Zwar wurden dadurch nachweislich nicht weniger Kinder Opfer von Kinderpornografie, doch viele Kinder und Erwachsene wurden Opfer der Zensur.

Die ersten Opfer waren wohl diese Menschen, die einfach mal sehen wollten, was auf den „Schwarzen Listen“ sich verbirgt. So ist das eben, wenn man etwas verbietet. Die Listen kursierten in Tauschbörsen und wurden von Piratenseiten außerhalb Deutschlands schnell und weit verbreitet. Das Leck im BKA wurde niemals gefunden. Beharrlich hält sich der Verdacht, dass die Listen absichtlich veröffentlicht wurden um die Schlagkräftigkeit unter Beweis zustellen. Durch Neugier oder die Neigung zur Rebellion getrieben wurden ein paar der Seiten angesurft, die auf diesen Listen zu finden waren, das „Stopp“ wurde geflissentlich beiseite geklickt und dann wurde gestaunt, sich geekelt und was wohl sonst noch in den Menschen vor sich ging.

Gleichzeitig liefen schon die Auswertungen im BKA von wessen Anschluss dort auf die verbotenen Seiten zugegriffen wurde. Bis zum Ende des Jahres 2009 kam es zu mehreren tausenden Anzeigen und Festnahmen. In vielen Unternehmen wurden PCs und sogar Server beschlagnahmt, weil die Mitarbeiter in der Mittagspause mal sehen wollten, was neu zu den verbotenenen Seiten dazu gekommen war.  Dadurch verschlimmerte sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland dramatisch und man sah sich gezwungen die Infrastruktur an China zu lizensieren, welches ein natürliches Interesse daran hatten.

Die negative Berichterstattung in der Presse zu den Vorgängen um die Internetsperren und den von Frau von der Leyen eingerichteten Denunziationsseite http://www.DE-NUNZ-IA.de konnte zwar nicht eingeschränkt werden, doch wurden Anfang 2010 die großen Online-Tageszeitungen auf die Liste der BKA gesetzt und der Zugriff darauf auch erst einmal mit einer Androhung von Schutzhaft versehen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte die Bundesregierung zwar noch immer nicht nachweisen um wie viele Fälle Kinderpornografie zurückgegangen war, doch wurde inzwischen mit der Lizenzierung der Zensur-Technologie für Staaten wie Russland, Frankreich, Iran, Afghanistan, Schottland und Melmac sehr viel Geld verdient. Die Zeitungen machten dicht und die Reporter flohen zum Großteil nach Panama, da dort die Pressefreiheit in hohem Maße geachtet wird. Bis März 2011 stieg der Bevölkerungsanteil der Journalisten auf irrsinnige 65% an.

Die Menschen, die weiterhin ohne Einschränkungen sich Informationen im Internet beschaffen wollten nutzten verstärkt ein neu entwickeltes Netz aus Proxy-Servern, die wie in Peer-Netzen organisiert waren. Firefox und Opera wurde noch 2009 so gepatcht, dass standardmäßig diese Option aktiviert war um die Nutzer zu schützen. Das „diving“ war geboren, das „surfen“ zu gefährlich. Microsoft weigerte sich beharrlich noch bis Ende 2010 ein entsprechendes Angebot anzubieten, musste dann aber ein solches doch nachliefern nachdem der Marktanteil des Internet Explorers auf unter 10% gefallen war. Experten streiten noch immer darüber, ob der Marktanteil durch einen Wechsel der Nutzer zu einem anderen Browser geschrumpft war, oder ob die Nutzer einfach keine Möglichkeit mehr hatten, da sie ab 2010 auch mit jahrelangem Internetverbot belegt worden waren, sollten sie eine solche „Schwarze Seite“ aufgerufen haben.

Auch ich schreibe hier von der Mitte Amerikas auf meinem Eeeeee 2046 und hoffe irgendwann wieder in meine alte Heimat, das freie Deutschland, zurückkehren zu können.

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One Response to 2011 – Surfen war früher, Diving ist angesagt!

  1. dertrop sagt:

    ich hatte spaß beim lesen 😉

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