Was wirst du tun?

„Was wirst du tun? Was wirst du tun, wenn du allein bist?“

Tanja schaute mir nicht in die Augen. Sie saß mir wie immer am Tisch in der Küche gegenüber. Gerade hatte ich ihr Kaffee eingeschenkt und mich gesetzt. Rechtzeitig, wie mir schien. Jede Erwiderung würde uns weiter entzweien. Ich war zu feig, diesen Schritt jetzt zu gehen.

„Du würdest sicher bald wieder jemanden finden. Das musst du ja. Sonst würdest du platzen.“

Sie lachte laut und künstlich. Leckte sich den mit Marmelade verschmierten Finger ab. Sie sah auf den Teller.

„Ich kenne dich, du brauchst jemanden. Willst nicht alleine sein. Hauptsache du bist nicht alleine, nicht wahr?“

Nun sah sie mich an. Ihre Augen waren rot. Sie hatte geweint, war traurig, war wütend und betrachtete mich sowohl als Täter als auch als Opfer. Ich überlegte nicht lange was ich tun sollte. In dieser Situation gab es keine Chance zu entkommen. Ich war umzingelt, sie in der Überzahl. Ich ließ sie also herankommen.

„Sag mir sofort, was du denkst!“

Ihre Augen funkelten nun und ihre Hand, die das Messer hielt, schien kein Blut mehr inne zu haben, so fest hielt sie es. Da war die Vorlage. Eine wunderbare Fügung Gottes. Kaum drei Sätze weit und schon gab sie mir die Peitsche in die Hand.

„Clausewitz. Ich habe mich daran erinnert was er in seinen Schriften mit Namen ‚Vom Kriege‘ im sechsten Buch in Kapitel 25 schrieb.“

So einfach wollte sie es mir jedoch nicht machen. Se wollte nicht darauf eingehen wie ich es im Sin hatte. Doch hatte ich sie längst in meinem Netz gefangen.

„Was hat das mit uns zu tun? Was hat das mit meiner Frage zu tun?“

Sie fragte es nicht, sie schrie es. Ich nippte an meiner Tasse und nahm mir ein Brötchen. Ohne aufzublicken begann ich zu reden während ich mir Marmelade auf das Brötchen strich.

„So ist das bei uns. Du stellst mir eine Frage, ich antworte und du willst oder kannst nicht verstehen was ich sage. Ich bin es leid dir alles immer und immer wieder vorzukauen. Ich bin weder dein Vater noch dein Lehrer, bin nicht dein Pfarrer dem du beichtest noch dein Freund. Ich bin nur noch ein Andenken an eine vergangene Zeit die du nicht loslassen willst.“

Ich stand auf und blickte sie von der Seite an. Sie war wie versteinert. Ich nahm den Schlüssel von der Theke und ging zur Tür.Ich drehte mich noch einmal um.

„Clausewitz steht im Bad, wenn du ihn lesen willst. Hilft dir im Moment sicher mehr als diese beschissenen Beziehungskistenbücher die du dir reinziehst. Vom Lesen alleine wird nichts besser.“

Das Schloss krachte als die Tür schloss. Würde sie weiterhin nur lesen? Ich nicht, ich würde das Gelesene in unserer Beziehung nutzen. Auch Clausewitz.

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