Auf dem Floß

Ich ließ die Tür ins Schloss fallen. Die mit nach oben gebrachten Briefe legte ich neben das Telefon und begann meine Jacke auszuziehen.

„Bist du das?“

„Ja!“, rief ich durch die Wohnung. Die Jacke hatte ich auf einem Bügel an der Garderobe aufgehängt. Es war still.

„Du bist so leise!?“

„Ich bin hier!“

Tanajs Stimme klang zart aus dem Wohnzimmer durch den Flur. Ich ging nach vorne und trat durch die halb geöffnete Tür. Tanja saß dort, auf dem Sofa in diesem Dämmerlicht und blickte zu unserem, mit Büchern gefüllten, Regal. Da erkannte ich, dass Ihre feuchten Augen einen Punkt in weiter Ferne sahen und schon fühlte ich mich unwohl.

„Tanja?“

„Halt mich! Halt mich einfach!“

Sie stellte das fast leere Glas mit Rotwein neben sich auf den Boden und empfing mich mit offenen Armen. Ihren festen Körper drückte ich an mich und musste sie festhalten wie ein Ertrinkender. Sie schluchzte und vergrub ihr Gesicht in meinem Hals. Ich rang einen kurzen Moment nach Worten, doch war ich zu verwirrt um zu begreifen oder etwas zu fragen, dessen Antwort ich verstehen würde.

Wie Tänzer wogen unsere Körper während wir uns in den Armen hielten. Die Umklammerung lösten wir zwischen den endlosen Küssen nur um uns nach und nach unserer Kleider zu entledigen. Welch ein Gefühl, ihren Körper an meinem zu spüren. Energischer wurden unsere Bewegungen, fester pressten wir uns aneinander. Langsam steigerte Tanja die Geschwindigkeit und ein Taumel erfasste mich.

Ich lag auf dem Boden und konnte Ihr Gesicht nur schemenhaft erkennen, da inzwischen die Dunkelheit den Raum eingenommen hatte, während wir uns noch immer auf dem Boden liebten. Sie bewegte ihr Becken auf und ab und schwenkte es bis ich fast den Verstand verlor. Ich konnte erkennen wie Tanja ihre Arme über ihrem Kopf verkreuzte und sich die langen Haare von hinten nach vorne warf um dann den Kopf nach hinten zu biegen.

Wohin trieben wir? Wir hatten schon lange nicht mehr die gleiche Richtung, doch wohin trieben wir? Sollten wir schwimmen? Schwimmen war so schwer, kostete so viel Kraft. Konnte ich es denn überhaupt? Hatte es noch nie versucht.

Irgendwann schliefen wir ein.

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