Wie es ist.

2. Februar 2009

Wie es ist, die Frische des Kusses zu spüren, diese unbekannte herbeigesehnte Empfindung. Auf kalter Bank sitzen, sie mit kalter Hand berühren, ein Streicheln, das sie nicht die Kälte meiner Hand spüren lassen soll.

Wie es ist, wenn ich versuche jede Ihrer Gesten, ihre Worte und Wärme, jeden Augenblick mit ihr tief in mich verewigen zu wollen.

Wie es ist, daran kann ich mich manchmal erinnern. Dann lächle ich.


Herbst

22. Oktober 2008

So, nun ist es soweit. Der Herbst hat in mein Leben Einzug gehalten und ich habe das Theme des Blogs umgestellt. Normalerweise ist so etwas keinen Blog-Eintrag wert, doch ich meine ich müsste mich einfach vor den 0,28 Lesern die hier täglich vorbeiziehen rechtfertigen. Natürlich ist das Unsinn, aber höflich. Die meisten Höflichkeiten sind übrigens unsinnig! Der Umkehrschluss ist selbstverständlich unsinnig.

Morgen geht es mal wieder zum Tanzen. Damenüberschuss. Tolles Wort. Es bedeutet soviel wie: 20 Frauen haben sich zum Single-Kurs angemeldet, aber nur 10 Männer. Jungs, schaut also nicht in Discos nach den Weibern sondern macht einen Tanzkurs! Da hat es Frauen ohne Ende!


Großartiges Patent Wortzensor!

21. Oktober 2008

Einem Bericht auf Golem zufolge hat Microsoft nun ein Patent auf einen Wortzensor erhalten. Sicher jedem von uns bekannt, wenn die Amis mal wieder das F-Wort nutzen und die braven Fernsehzensoren dann einen freundlichen Piepton darüberlegen müssen oder wollen.

Zensur ist ja, wie wir alle wissen, sehr wichtig, da nur der Gesetzgeber weiß, was ich lesen sehen und hören darf. Komischerweise ist das von Staat zu Staat unterschiedlich, aber jeder Staat den ich kenne macht sowas. Auch der, in dem ich wohne.

In dem Artikel wir erwähnt, dass diese Wortzensurmaschine (danke, Orwell!) auch dazu genutzt werden kann Voice-Chats sauber zu halten. Ist das nicht toll? Was unterscheidet denn, grob technisch gesehen, Voice-Chats von VoIP Gesprächen, also Telefonaten? Kann ein Staat dann nicht die Carrier zwingen solche Teile einzubauen und Worte und Laute zu filtern die mir als Staat nicht gefallen? Großartige Erfindung! Welch Fortschritt! Sofort fallen mir die Namen einiger Staaten ein, welche gerne Zensieren und sicher Interesse an solch ein Technik haben.

In diesen Absatz sollte ich eigentlich noch etwas ironisch-sarkastisch-witziges von mir geben, aber da mir gerade der Hals schwillt, lass ich Nina ran. Gott sei Dank ohne Piep!


Auf dem Floß

20. Oktober 2008

Ich ließ die Tür ins Schloss fallen. Die mit nach oben gebrachten Briefe legte ich neben das Telefon und begann meine Jacke auszuziehen.

„Bist du das?“

„Ja!“, rief ich durch die Wohnung. Die Jacke hatte ich auf einem Bügel an der Garderobe aufgehängt. Es war still.

„Du bist so leise!?“

„Ich bin hier!“

Tanajs Stimme klang zart aus dem Wohnzimmer durch den Flur. Ich ging nach vorne und trat durch die halb geöffnete Tür. Tanja saß dort, auf dem Sofa in diesem Dämmerlicht und blickte zu unserem, mit Büchern gefüllten, Regal. Da erkannte ich, dass Ihre feuchten Augen einen Punkt in weiter Ferne sahen und schon fühlte ich mich unwohl.

„Tanja?“

„Halt mich! Halt mich einfach!“

Sie stellte das fast leere Glas mit Rotwein neben sich auf den Boden und empfing mich mit offenen Armen. Ihren festen Körper drückte ich an mich und musste sie festhalten wie ein Ertrinkender. Sie schluchzte und vergrub ihr Gesicht in meinem Hals. Ich rang einen kurzen Moment nach Worten, doch war ich zu verwirrt um zu begreifen oder etwas zu fragen, dessen Antwort ich verstehen würde.

Wie Tänzer wogen unsere Körper während wir uns in den Armen hielten. Die Umklammerung lösten wir zwischen den endlosen Küssen nur um uns nach und nach unserer Kleider zu entledigen. Welch ein Gefühl, ihren Körper an meinem zu spüren. Energischer wurden unsere Bewegungen, fester pressten wir uns aneinander. Langsam steigerte Tanja die Geschwindigkeit und ein Taumel erfasste mich.

Ich lag auf dem Boden und konnte Ihr Gesicht nur schemenhaft erkennen, da inzwischen die Dunkelheit den Raum eingenommen hatte, während wir uns noch immer auf dem Boden liebten. Sie bewegte ihr Becken auf und ab und schwenkte es bis ich fast den Verstand verlor. Ich konnte erkennen wie Tanja ihre Arme über ihrem Kopf verkreuzte und sich die langen Haare von hinten nach vorne warf um dann den Kopf nach hinten zu biegen.

Wohin trieben wir? Wir hatten schon lange nicht mehr die gleiche Richtung, doch wohin trieben wir? Sollten wir schwimmen? Schwimmen war so schwer, kostete so viel Kraft. Konnte ich es denn überhaupt? Hatte es noch nie versucht.

Irgendwann schliefen wir ein.


Ironie? Ironie.

28. August 2008

Wie nennst du das, wenn ein Blogger unerlaubt Songs vorab veröffentlicht, aus einem Album dessen Titel „Chinese Democracy“ ist und dieser Blogger dann in Handschellen wegen Copyright-Verletzung abgeführt wird?

Sicher, es gibt viele Antworten darauf. Doch ich halt mich da an Alanis…


Flut

26. August 2008

Kein Verlangen, keine Abneigung. Nichts. Eine unvergleichliche Leere.

Ich mache die Augen auf. Durch die Jalousie fällt feines Licht. Leise dringt das Treiben unten auf der Straße nach oben. Was war das für ein Traum? Wovon habe ich geträumt? Alles was davon übrig bleibt ist dieses Gefühl der Leere. Sie erdrückt mich und hält mich im Bett gefangen während ich versuche mich aus der Umklammerung des Schlafs zu befreien.

Tanja liegt neben mir. Bitte, lass sie weiter schlafen! Was würde ich nur tun wenn sie nun aufwachen würde? Mit Schaudern erinnere ich mich an ihr albernes Getue auf der Party am Abend zuvor. Ungläubig und ohnmächtig musste ich Ihrem bunten Treiben gestern zusehen. Dieses Lachen, das sie uns zeigte, ließ ihr Gesicht zur Grimasse werden; richtig abstoßend.

Doch da kommt sie. Warm füllt die Wut meinen Magen, lässt mich die Zähne zusammen beißen. Ich könnte sie jetzt über den Balkon heben, ihr nachschauen während sie die fünf Stockwerke nach unten fällt Mein Gott, hab ich eine Wut im Bauch. Wie kann ich nur entkommen?


Bjelovar

7. Juli 2008

September 1993. Wir kamen spät über die Berge. Marijana schrie laut auf, als sie das Meer sah. „I’m the winner!“. Sie jubelte und lachte ausgelassen wie ein Kind. Durch ihr blondes Haar schimmerte die Sonne und ihre blauen Augen funkelten während sie sich laut darüber freute das Meer als erstes gesehen zu haben.

Wir waren früh in Djakovo aufgebrochen. Verdammt früh. Selbst der Hund schlief als wir das Gepäck zum Auto brachten. Ich reckte mich noch einmal und gähnte bevor wir einstiegen. Heilfroh, dass die Nacht ruhig verlaufen war, startete ich das Auto.

„Bjelovar?“, fragte ich.

„I have no news, yet. But let me call Cilka later.“

Die Straße über Bjelovar musste ich immer dann nehmen, wenn serbische Truppen Brücken beschädigten oder zerstörten, die auf dem Weg nach Westen lagen. Es war ein Katz- und Maus-Spiel, da die Brücken Tage später wieder befahren werden konnten oder Provisorien geschaffen wurden. Für mich war es lediglich ein Ärgernis. Landstraßen bedeuteten einen Umweg durch ein Land, in dem die Leute ihren Nachbarn das Haus nieder brannten weil diese Serben waren. Bisher war mir in diesem Land nur Freundlichkeit entgegen gebracht worden. Umso weniger verstand ich diesen Krieg. Ihren Krieg.

Ich überquerte die Kreuzung und fuhr in Richtung Slavonski Brod. Wir hatten den Radio an um Musik und aktuelle Nachrichten zu haben. Wie immer unterhielten wir uns mit einem Sprachgemisch englischer, kroatischer und deutscher Zutaten. Außerhalb eines Dorf unweit von Djakovo bat Marijana mich anzuhalten. Sie lauschte gespannt den Nachrichten, die für mich viel zu schnell und undeutlich gesprochen schienen.

„We’ll better take a different route. No need to call Cilka.“

Ihr Gesicht war ernst. Ich hatte aus den Nachrichten nur die Namen einiger Orte heraus hören können. Vinkovci, Vukovar, Slavonski Brod und Karlovac waren mir bekannte Namen. Es gab wohl wieder Angriffe.

„What about Cilka?“ wollte ich wissen?

„We shouldn’t go to Karlovac today. They say, there are grenade and rocket impact. I will call Cilka later. Bjelovar.“

Sie drehte sich nach hinten während ich den Wagen startete. Aus einer Tasche holte sie eine Flasche Wasser, etwas Brot und Obst. Da war er wieder. Dieser Krieg. Oft vergaß ich ihn. Manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil es mir nicht dauernd bewusst war, dass hier ein erbitterter und brutaler Krieg geführt wurde. Doch dann wieder war er so präsent, dass man ihn mit bloßen Händen hätte fassen können. Breitet sich zwischen Menschen aus und lässt sie schweigen. Das Radio plärrte weiter und nach ein paar Anweisungen wie und wo ich abbiegen sollte, war er auch wieder gewichen.

Stunden später jubelte und lachte Marijana ausgelassen wie ein Kind. Durch ihr blondes Haar schimmerte die Sonne und ihre blauen Augen funkelten während sie sich laut darüber freute das Meer als erstes gesehen zu haben.


Alter Ego

6. Juli 2008

Ich sitze mit Tanja beim Frühstück im Ratscafe. Angenehm, dass hier nicht mehr geraucht wird, denke ich. Tanja ist zum vierten oder fünften mal am Buffet. Der Kaffee schmeckt so schön bitter wie er schwarz ist. Das Gemurmel um mich herum weckt in mir schon wieder die Lust auf das Bett. Ihr Bett. Mein Bett? Im Hintergrund höre ich „Everywhere“ von Pink Martini und das wohlige Gefühl kehrt zurück wie es ist sich in Tanjas Körper zu vergraben. Welches Bett?

„Ich konnte keinen Müsli-Riegel mehr für dich auftreiben.“ Sie zieht ihren Stuhl scharrend über den Boden an den Tisch als sie sich setzt. „Kein Problem!“ erwidere ich und schenke ihr ein Lächeln. Hatte ich sie darum gebeten, frage ich mich? Ich beiße in mein Brötchen während ich weiter überlege. Hatte ich was von einem Müsli-Riegel gesagt?

Die Reste vom Brötchen spüle ich mit Kaffee runter. „Was machst du heute noch?“, frage ich weil mein Bauch für mein Bett entschieden hat. Sie schaut mir erstarrt in die Augen.

„Glaubst du denn eigentlich, dass du kommen und gehen kannst wann du willst?“

Diesen Punkt zu diskutieren und es einzugestehen traue ich mich, um ehrlich zu sein, in der aktuellen Situation nicht. Ich bin müde, sie aggressiv und wir beide schon seit fast 36 Stunden zusammen.

„Ich muss noch schreiben, Tanja.“, versuche ich mit mit sanfter Stimme. Sie greift zu ihrer Tasse, aus der Starre gelöst. „Ich vergaß“, flüstert sie fast, während sie ihren Blick auf das Brötchen richtet, das sie gerade mit Marmelade bestreicht. „Tut mir leid“, fügt sie hinzu. Gerne würde ich zu ihr herüber greifen und ihre Hand festhalten, doch sie hat ihre Hände beschäftigt. Also lächle ich sie an und küsse sie mit einem Zwinkern durch die Luft.

„Wie hälst du es nur so lange mit mir aus?“, lacht sie nun laut während sie ihr Brötchen zum Mund führt. Bevor sie noch den ersten Bissen macht antworte ich: „Ich glaube es liegt am Sex und deinem Geld. Aber ich kann mich auch irren.“

Lachend lässt sie das Brötchen fallen. Sie nimmt mich einfach nicht ernst.